MK-Logomk-logo
Ganztagsschule Niedersachsen
    AlltagsspracheLeichte Sprache

Mittagessen an der Ganztagsschule

Die gesellschaftliche Bedeutung der Ganztagsschule ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Vor allem im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist das Mittagessen an der Ganztagsschule von besonderer Bedeutung.
 
Nach KMK-Definition ist an einer Ganztagsschule an allen Tagen des Ganztagsschulbetriebes für die teilnehmenden Schülerinnen und Schülern ein Mittagessen bereitzustellen.
 

Kosten-, Lastverteilung

Jede Ganztagsschule bietet nach Nr. 2.10 des RdErl. d. MK v. 1.8.2014 „Die Arbeit in der Ganztagsschule“ an den Schultagen mit Ganztagsbetrieb ein warmes Mittagessen an. Für Organisation, Bereitstellung und Ausgabe des Mittagessens ist der Schulträger zuständig. Die Zuständigkeit des Schulträgers und die Kostentragungspflicht ergeben sich aus §§ 112 und 113 NSchG.
 
Anträge auf Errichtung einer Ganztagsschule sind nur dann genehmigungsfähig, wenn der Schulträger mit seiner Unterschrift bestätigt, dass er die im Rahmen seiner Zuständigkeit notwendige räumliche, personelle und sächliche Ausstattung sicher stellt und die anfallenden Kosten trägt.
 

Pädagogischer Auftrag

Mit dem gemeinsamen Mittagessen in der Ganztagsschule ist jedoch auch ein pädagogischer Auftrag verbunden, der in Landeszuständigkeit fällt. Er umfasst die Beaufsichtigung der Schülerinnen und Schüler in dieser Zeit und die Ausgestaltung des sozialen Miteinanders bis hin zur Vermittlung von Tisch- und Esskultur. Erfahrungen bestehender Ganztagsschulen zeigen, dass das Erlebnis des gemeinsamen und pädagogisch begleiteten Mittagessens nicht nur die Kommunikation in der Schule - und zwar sowohl unter den Schülerinnen und Schülern als auch zwischen Lernenden und Lehrenden - verbessert, sondern auch das Einüben sozialer Kompetenzen fördert. Insgesamt wirkt sich das gemeinsame Mittagessen positiv auf das Schulklima aus.
 
Der Bildungsauftrag nach § 2 NSchG sieht u. a. vor, dass die Schülerinnen und Schüler befähigt werden, gesundheitsbewusst zu leben. Das gemeinsame Mittagessen ermöglicht es, den Kompetenzerwerb nicht nur theoretisch in Unterrichtsbezügen zu entwickeln, sondern gesunde Ernährung auch in der praktischen Anwendung einzuüben und damit einen unmittelbaren Lebensweltbezug herzustellen.
 

Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen

Die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen wandeln sich rasant. Gesellschaftliche Veränderungen, insbesondere die Berufstätigkeit beider Elternteile, tragen dazu bei, dass das häusliche Mittagessen immer seltener stattfindet und dass der Aspekt der gesunden Ernährung zunehmend durch Fastfood-Angebote in den Hintergrund tritt. Viele Erziehungsberechtigte haben jedoch ein hohes Interesse, dass ihre Kinder und Jugendlichen sich mittags ausgewogen und gesund ernähren. Die Ganztagsschule kann mit einem entsprechenden Ganztagsschulkonzept und in enger Zusammenarbeit mit dem Schulträger, wie in Nr. 3.10 des Ganztagsschulerlasses verankert, sowie ggf. eines vom Schulträger beauftragten Caterers dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.
 

Schulgeldfreiheit exklusiv des Mittagessens

Das Mittagessen an einer Ganztagsschule kann kostenpflichtig sein, während die Teilnahme an den außerunterrichtlichen Angeboten der Ganztagsschule in jedem Fall kostenfrei ist (RdErl. d. MK v. 1.8.2014 „Die Arbeit in der Ganztagsschule“, Nr. 12.2).
 
Keine Verpflichtung zur Abnahme des kostenpflichtigen Mittagessens
 
Das Grundrecht zur freien Entfaltung der Persönlichkeit nach Art. 2 Abs.1 GG beinhaltet, dass die Schülerinnen und Schüler bzw. deren Erziehungsberechtigten frei entscheiden können, ob sie an der Mittagsverpflegung teilnehmen. Soweit es zum Ganztagsschulkonzept der Schule gehört, dass alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam Mittag essen, kann diese Verpflichtung nur soweit gehen, dass die Schülerinnen und Schüler zur Anwesenheit verpflichtet sind und ggf. ihre eigenen (von zu Hause mitgebrachten) Speisen verzehren dürfen. Die Abnahme eines kostenpflichtigen Mittagessens kann dagegen nicht verpflichtend sein, auch nicht aus betriebswirtschaftlichen Gründen der Mensaauslastung.
 

Teilhabe

Bildung entscheidet maßgeblich über die Chancen jeder und jedes Einzelnen auf gesellschaftliche Teilhabe und die Entwicklung persönlicher Potentiale. Erfolgreiche Bildungsprozesse sind wesentliche Voraussetzung für individuelle Zukunfts- und Arbeitschancen. Mit dem Ausbau der Ganztagsschule wird der Bildungsungleichheit und der sozialen Segregation entgegengewirkt. Das Mittagessen an der Ganztagsschule ist unter unterschiedlichen Aspekten der Teilhabe zu sehen:
 
Kein Schulkind darf von der Schulgemeinschaft bei Nichtabnahme des Mittagessens ausgeschlossen werden. Mit dem Satz „Das Mittagessen soll so gestaltet werden, dass alle Schülerinnen und Schüler an der Mittagsverpflegung teilnehmen können“ ((RdErl. d. MK v. 1.8.2014 „Die Arbeit in der Ganztagsschule“, Nr. 2.10, Satz 4) wird seitens des Erlassgebers dafür Sorge getragen, dass Schule und Schulträger für Schülerinnen und Schüler, die an der Mittagsverpflegung teilnehmen wollen, aber der Einhaltung kultureller oder religiöser Ernährungsvorschriften verpflichtet sind, nach Wegen suchen, die Teilnahme am Mittagessen zu ermöglichen. Das gilt auch für Schülerinnen und Schüler, die unter besonderen Ernährungsgesichtspunkten bewusst auf einzelne Lebensmittelgruppen verzichten (vegetarische oder vegane Ernährungsweise).
 
Schülerinnen und Schüler, die von zu Hause mitgebrachte Speise verzehren, sollten ebenfalls in das gemeinsame Essen einbezogen werden und sich nicht in einem gesonderten Raum aufhalten müssen.
 

Gemeinsam getragene Verantwortung für das gelingende Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen

Mit dem Ausbau der Ganztagsschule ist in vielen Bereichen die öffentliche Verantwortung für das gelingende Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen neu zu denken. Am Beispiel des Mittagessens wird deutlich, dass ein qualitätsorientiertes Angebot eine enge Zusammenarbeit von Schule und Schulträger erfordert, die ein gemeinsames Qualitätsverständnis und abgestimmte Ziele voraussetzt. Die in Ergänzung zu den Aufgaben der Eltern gemeinsam zu tragende Verantwortung entpflichtet nicht von einer klar formulierten Regelung der jeweiligen Zuständigkeiten, erfordert aber, wie in Nr. 3.10 des Ganztagsschulerlasses verankert, einen intensiven Austausch über die Wünsche und Erwartungen der Gesprächspartner auf der einen Seite und über die durch den finanziellen Rahmen vorgegebenen Grenzen auf der anderen Seite.
 

Fazit

Ein Aspekt bei der Planung des Mittagessens an der Ganztagsschule ist zweifellos der ökonomische. Der Beitrag hat jedoch versucht aufzuzeigen, welche vielfältigen Zusammenhänge bestehen, die über die rein ökonomische Betrachtungsweise hinausgehen. Das Mittagessen an der Ganztagsschule bietet Chancen, junge Menschen nachhaltig an eine gesunde Lebensführung heranzuführen und kann somit ein Baustein für Lernerfolg und für eine erfolgreiche Bildungsbiografie sein. Ohne Frage ist das Mittagessen ein Auswahlkriterium bei der Entscheidung der Erziehungsberechtigten insbesondere von Grundschulkindern für die Ganztagsschule.
 
Beratung und Unterstützung: Vernetzungsstelle Schulverpflegung Niedersachsen
(in einen Kasten setzen)
 
Seit dem 1. April 2009 gibt es die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Niedersachsen. An drei Standorten (Braunschweig, Lüneburg, Osnabrück) wurden Informations- und Beratungsstellen eingerichtet. Als zentrale Anlaufstellen unterstützen und vernetzen diese die Einrichtungen und Institutionen im Bereich der Schulverpflegung. Projektträger ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) in Bonn.
 
Kontakt: http://www.dgevesch-ni.de

© 2017 Niedersachsen.de | Alle Rechte vorbehalten | Vervielfältigung nur mit unserer Genehmigung