Ab dem Schuljahr 2026/27 beginnt bundesweit schrittweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter. Zunächst gilt der Anspruch für Erstklässler, danach wird er Jahr für Jahr erweitert. Für Eltern bedeutet das vor allem eines: Betreuung soll verlässlich verfügbar sein – unabhängig davon, ob beide Elternteile berufstätig sind oder familiäre Unterstützung vorhanden ist. Für viele Familien ist der Ganztag inzwischen keine Zusatzoption mehr, sondern eine Voraussetzung, um Beruf und Alltag überhaupt organisieren zu können.
Für Kommunen und Schulträger entsteht dadurch jedoch ein erheblicher Handlungsdruck. Denn der Rechtsanspruch schafft nicht automatisch zusätzliche Räume, Mensen oder Betreuungskapazitäten. Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung: Viele Schulen sind baulich und technisch nicht auf einen flächendeckenden Ganztagsbetrieb vorbereitet.
Gleichzeitig stehen zahlreiche Schulgebäude ohnehin vor umfangreichen Sanierungen. Dächer, Heizungsanlagen, Fenster, Sanitärbereiche und elektrische Infrastruktur gelten vielerorts als veraltet. Hinzu kommen steigende Energiepreise, verschärfte Klimaschutzziele und strengere Anforderungen an die Energieeffizienz öffentlicher Gebäude. Dadurch treffen derzeit mehrere große Investitionszwänge gleichzeitig aufeinander.
Der Druck steigt aus mehreren Richtungen gleichzeitig
Für Eltern steht vor allem die Verlässlichkeit der Betreuung im Mittelpunkt. Der gesetzliche Anspruch weckt nachvollziehbar die Erwartung, dass ausreichend Plätze vorhanden sind und Schulen organisatorisch funktionieren. In vielen Kommunen ist die Realität jedoch deutlich komplizierter.
Bereits heute fehlen vielerorts geeignete Räume für Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung oder Nachmittagsangebote. Teilweise werden Klassenräume mehrfach genutzt oder provisorische Lösungen geschaffen, weil Aufenthaltsbereiche fehlen. Gerade ältere Grundschulen wurden ursprünglich für den klassischen Halbtagsschulbetrieb geplant. Entsprechend begrenzt sind vielerorts Küchenkapazitäten, Rückzugsräume oder Flächen für Freizeitangebote.
Für Schulträger entsteht dadurch ein doppeltes Problem. Einerseits müssen kurzfristig zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, andererseits steigt parallel der Druck zur energetischen Modernisierung der Gebäude. Viele Kommunen können es sich wirtschaftlich kaum leisten, neue Räume zu bauen oder bestehende Gebäude zu erweitern, ohne gleichzeitig Sanierungsmaßnahmen mitzudenken.
Hinzu kommt die Entwicklung der Energiepreise. Schulen gehören aufgrund langer Nutzungszeiten, großer Gebäudeflächen und hoher Wärmebedarfe zu den energieintensiven öffentlichen Einrichtungen. Mit dem Ganztagsbetrieb verlängern sich Nutzungszeiten zusätzlich deutlich. Heizungen laufen länger, Mensen benötigen mehr Energie, Lüftungssysteme werden intensiver genutzt und digitale Infrastruktur erhöht dauerhaft den Stromverbrauch.
Gerade deshalb gewinnt die energetische Qualität von Schulgebäuden zunehmend an Bedeutung. Schlechte Dämmung, alte Heizsysteme oder ineffiziente Beleuchtung führen nicht nur zu höheren Betriebskosten, sondern belasten kommunale Haushalte langfristig erheblich.
Öffentliche Gebäude geraten stärker unter Klimadruck
Parallel verschärfen Bund und Länder die Anforderungen an Klimaschutz und Energieeffizienz im Gebäudebereich. Öffentliche Gebäude stehen dabei besonders im Fokus. Kommunen sollen beim Ausbau erneuerbarer Energien eine Vorbildfunktion übernehmen und den Energieverbrauch ihrer Gebäude deutlich reduzieren.
In Niedersachsen gelten inzwischen bei vielen Neubauten und grundlegenden Dachsanierungen Vorgaben zur Nutzung von Solarenergie. Gerade große Schuldächer gelten deshalb als wichtige Potenzialflächen für Photovoltaik. Für Schulträger bedeutet das in der Praxis: Wer ein Dach saniert, muss häufig gleichzeitig prüfen, ob eine Photovoltaikanlage integriert werden kann oder wirtschaftlich sinnvoll wäre.
Dadurch verändert sich die gesamte Investitionsplanung. Früher wurden Dachsanierung, Heiztechnik, Ganztagsausbau und Energieversorgung häufig getrennt betrachtet. Heute zeigt sich zunehmend, dass genau diese Trennung zu höheren Kosten und ineffizienten Bauabläufen führen kann.
Wenn beispielsweise zunächst zusätzliche Ganztagsräume geschaffen werden, wenige Jahre später aber erneut Dachsanierung, Dämmung oder Photovoltaikinstallation anstehen, entstehen doppelte Baustellen und zusätzliche Belastungen für den laufenden Schulbetrieb. Deshalb versuchen viele Kommunen inzwischen, mehrere Maßnahmen in einem Gesamtprojekt zu bündeln.
Welche Fördermittel Schulträger nutzen können
Die Finanzierung bleibt dabei eine der größten Herausforderungen. Zwar stellt der Bund erhebliche Mittel für den Ganztagsausbau bereit, dennoch müssen Kommunen einen beträchtlichen Eigenanteil tragen.
Für Niedersachsen stehen aus dem Ganztagsfinanzierungsgesetz des Bundes rund 278 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel sollen vor allem in Neubauten, Umbauten, Erweiterungen und Sanierungen investiert werden, die unmittelbar dem Ganztagsbetrieb dienen. Dazu gehören etwa Mensen, Aufenthaltsräume oder zusätzliche Betreuungsflächen.
Gleichzeitig können Schulträger weitere Fördertöpfe nutzen, wenn energetische Sanierungen mitgeplant werden. Dazu zählen unter anderem:
- Förderprogramme der KfW für energieeffiziente Nichtwohngebäude,
- Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG),
- Förderprogramme der NBank in Niedersachsen,
- kommunale Klimaschutzprogramme,
- regionale Förderungen für Photovoltaik und Batteriespeicher,
- Mittel aus Klimaschutz- und Transformationsfonds.
Gerade die Kombination verschiedener Förderprogramme wird jedoch zunehmend komplex. Unterschiedliche Fristen, technische Anforderungen und Nachweispflichten erschweren vielen Kommunen die Planung erheblich. Hinzu kommt, dass Fördermittel häufig nur einen Teil der tatsächlichen Baukosten abdecken.
Warum Solar Investments zunehmend Teil kommunaler Planung werden
Vor diesem Hintergrund gewinnen alternative Finanzierungsmodelle an Bedeutung. Dazu zählen auch Modelle rund um Solar Investments, bei denen Photovoltaikprojekte teilweise über externe Investoren oder Betreibermodelle finanziert werden.
Für Kommunen kann das interessant sein, weil hohe Anfangsinvestitionen reduziert werden können. Gleichzeitig entstehen langfristige Modelle für Energieversorgung und Stromkostenplanung. Gerade bei großen Dachflächen öffentlicher Gebäude prüfen viele Schulträger inzwischen, ob sich Photovoltaik wirtschaftlich stärker in die Gesamtfinanzierung von Sanierungsmaßnahmen integrieren lässt.
Allerdings bringen solche Modelle auch neue Herausforderungen mit sich. Vertragslaufzeiten, Betreiberverantwortung, Wartungskosten und kommunales Vergaberecht müssen sorgfältig geprüft werden. Nicht jedes Modell ist automatisch wirtschaftlich sinnvoll. Deshalb wird die technische und rechtliche Projektkoordination zunehmend wichtiger.
Die eigentliche Herausforderung liegt in der langfristigen Planung
In vielen Kommunen zeigt sich inzwischen ein strukturelles Problem: Der Ganztagsausbau darf nicht isoliert betrachtet werden. Schulen entwickeln sich immer stärker zu ganztägig genutzten Bildungs- und Aufenthaltsorten. Dadurch steigen Anforderungen an Gebäudequalität, Energieversorgung, Aufenthaltskomfort und technische Infrastruktur dauerhaft an.
Gleichzeitig verschieben sich Investitionsentscheidungen stärker in Richtung langfristiger Betriebskosten. Für Schulträger wird entscheidend, wie wirtschaftlich Gebäude über Jahrzehnte betrieben werden können – nicht nur, wie günstig einzelne Baumaßnahmen kurzfristig umgesetzt werden.
Genau deshalb verändert sich derzeit die Planung öffentlicher Schulgebäude grundlegend. Ganztagsausbau, Sanierung und Energieversorgung werden zunehmend als zusammenhängende Infrastrukturaufgabe verstanden. Für Kommunen bedeutet das zwar zunächst höhere Planungsanforderungen. Langfristig kann eine integrierte Planung jedoch wirtschaftlicher sein als viele voneinander getrennte Einzelmaßnahmen.
Fest steht allerdings auch: Der Zeitdruck wächst. Eltern haben ab 2026 einen gesetzlichen Anspruch auf Betreuung, während viele Schulträger gleichzeitig mit Fachkräftemangel, steigenden Baukosten und komplexen Förderverfahren kämpfen. Genau diese Kombination macht den Ganztagsausbau derzeit zu einer der größten kommunalen Infrastrukturaufgaben im Bildungsbereich.









