Start ins Schuljahr 2022/2023

Start ins Schuljahr 2022/2023

Start ins Schuljahr 2022/2023

Mit deutlich mehr Schülerinnen und Schülern als zuletzt beginnt am morgigen Donnerstag das neue Schuljahr 2022/2023. Die Gesamtschülerzahl klettert auf zirka 875.000 Schülerinnen und Schüler nach 843.000 im Vorjahr. Ursächlich sind der prognostizierte und in der Lehrkräftebedarfsplanung abgebildete Anstieg der Geburtenrate seit 2014, insbesondere aber die Sondereffekte im Umgang mit der coronabedingten Nutzung der Flexibilisierung der Einschulung und die rund 15.000 zusätzlichen aus der Ukraine geflüchteten Schülerinnen und Schüler.

Besonders deutlich steigt die Schülerzahl an den Grundschulen: Rund 20.000 Schülerinnen und Schüler mehr werden an den Grundschulen erwartet, was ein Plus von sieben Prozent darstellt. Alleine im 1. Schuljahrgang werden rund 84.000 Schülerinnen und Schüler erwartet, wohingegen im Vorjahr noch insgesamt 78.000 Kinder eingeschult wurden.

Um die Schulen vor dem Hintergrund dieser Herausforderung weiter mit Personal zu unterstützen, hat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne ein weiteres Personalverstärkungspaket angekündigt:

„Wenn es bei Schulen vor Ort eng wird bei der Versorgung, gibt es alle Freiheiten, um über das Schulbudget zusätzliches Personal über Vertretungsverträge einzustellen. Jeder Vertrag, der abgeschlossen werden kann, soll abgeschlossen werden. Die Regionalen Landesämter für Schule und Bildung bekommen dafür freie Hand, entstehende Kosten werden kein Hinderungsgrund sein“, sagte Tonne. Zudem solle die Einstellungsoffensive Quereinstieg weiterlaufen und verstärkt werden, um die Anzahl der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger kurzfristig weiter zu erhöhen. Außerdem werde ergänzend an 20 Schulen ein „Modellprojekt Verwaltungsassistenz“ gestartet. Ziel ist zu erproben, inwiefern eine zusätzliche Verwaltungskraft an den unterschiedlichen Schulformen für Entlastung des Kollegiums und der Schulleitung beitragen kann. Die Anhebung der Mehrarbeitsvergütung für Lehrkräfte um 15 % sowie die Erhöhung der Hinzuverdienstgrenze für Pensionäre auf 150 Prozent werden derzeit geprüft. Damit sollen weitere Anreize gesetzt und Attraktivitätssteigerungen erreicht werden.

  • Lehrkräfteverstärkung im Umfang von 2.070 Stellen

Zum Start des 1. Schulhalbjahres 2021/2022 werden an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen vorerst 1.620 (Stand 23.08.2022) neue Lehrkräfte ihren Dienst aufnehmen. Das Einstellungsverfahren bleibt offen und wird seitens der Schulbehörden auch nach dem Beginn des Schuljahres weiterhin mit Hochdruck betrieben. Unter den  1.620 neuen Lehrkräften an allgemein bildenden Schulen befinden sich auch 120 Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, was einem Anteil von sieben Prozent der vorgenommenen Einstellungen entspricht. Der Anteil der Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger an der Gesamtzahl der neu eingestellten Lehrkräfte konnte somit moderat um zwei Prozentpunkte gesteigert werden (SJ 2021/2022 fünf Prozent).

597 neue Lehrkräfte wurden an Grundschulen, 106 an Haupt- und Realschulen, 216 an Oberschulen eingestellt, 323 an den Gymnasien, 287 an Gesamtschulen und 91 an Förderschulen. Aus dem Dienst geschieden sind rund 1.400 Lehrkräfte. Damit erzielt das Land Niedersachsen bereits jetzt erneut einen deutlich positiven Saldo. Aus anderen Bundesländern wurden 250 Lehrerinnen und Lehrer in den niedersächsischen Schuldienst übernommen – ein deutlicher Beleg für die Attraktivität des Landes Niedersachsen als Schulstandort.

Zusätzlich zu den neuen Lehrkräften wurden im Umfang von rund 450 Lehrerstellen (Vollzeiteinheiten VZE) weitere Personalverstärkungsmaßnahmen vollzogen, insbesondere durch die Einstellung von Studierenden und Pensionären sowie durch Teilzeiterhöhungen. Gestartet war das Einstellungsverfahren mit 1.560 Stellen. Diese Stellen sind rechnerisch bereits besetzt. Auch mit Blick auf die Umsetzung des „Lehrkräfte-Gewinnungspakets“ wurden das Stellenkontingent laufend erweitert und dynamisch neue Stellen veröffentlicht. Im Verhältnis zu derzeit 2.091 veröffentlichten Stellen liegt der Zwischenstand bei der Besetzungsquote bei rund 80 Prozent.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne kommentiert das Einstellungsverfahren:

„Vor dem Hintergrund der hohen Zahl an Ausschreibungen bewerte ich diesen Wert sehr positiv. Da wir es bundesweit mit einem strukturellen Mangel an Lehrkräften zu tun haben und der Lehrkräftearbeitsmarkt noch angespannter ist als in der Vergangenheit, ist dieses Einstellungsverfahren maximal herausfordernd. Ich danke den Kolleginnen und Kollegen aus dem Kultusministerium und den Regionalen Landesämtern für Schule und Bildung für den unermüdlichen Einsatz, so viele Lehrkräfte wie möglich an unsere Schulen zu bringen.“

Erfreulich sei die hohe Zahl an Einstellungen, die im Primarbereich realisiert werden konnte. „Es ist eines unserer primären Ziele, zusätzlich zum Unterricht auch die Verlässlichkeit der Grundschulen abzusichern. Dabei spielen die 600 neuen Grundschullehrkräfte eine zentrale Rolle“, so Tonne.  Noch nicht zufriedenstellend hingegen sei die Einstellungsquote an den Haupt-, Real-, und Oberschulen. Tonne: „Trotz aller Anreize und Bemühungen bleibt es ein Problem, ausreichend Lehrkräfte für diese Schulformen einzustellen. Wir werden aber nicht nachlassen in unserem Bestreben, auch an diesen Schulformen eine bessere Versorgung zu erreichen. Und wir werden auch weiter neue Methoden ausprobieren und Wege gehen.“

  • Schulversorgung: Steigende Lehrkräfte-Ist und PM-Arbeitsstunden

Die Versorgung und die Qualität einer Schule bilden sich vor dem Hintergrund der vielfältigen Aufgaben nicht allein in der Anzahl der Lehrkräfte-Ist-Stunden ab. Zum System Schule sind als weitere Ressourcen neben dem nichtlehrenden Schulpersonal, z. B. pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Schulassistentinnen und -assistenten, auch diejenigen Ressourcen zu zählen, die als Anrechnungsstunden (AE) für Lehrkräfte zur Qualitätsentwicklung an Schule dienen.

Die Lehrkräfte-Ist-Stunden steigen derzeitigen Prognosen nach auf rund 1.350.000, was einen neuen Höchststand darstellen würde (SJ 2021/2022: 1.338.181 Stunden). Die Anrechnungsstunden (AE) für Lehrkräfte werden aller Voraussicht nach bei 42.500 liegen, ein moderater Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (SJ 2021/2022: 42.116 Stunden).

Mit einem deutlichen Stundenzuwachs beim nichtlehrenden pädagogischen Personal um 33.500 Arbeitsstunden auf einen Höchstwert von 213.400 Arbeitsstunden verbessert sich die Schulversorgung in Niedersachsen insgesamt. Da Schule längst nicht mehr ausschließlich aus Unterricht besteht, sondern sich Schule vom reinen Lern- zum Lebensraum gewandelt hat und die Themen Inklusion und Ganztag eine immer größere Rolle spielen, steigt auch die Bedeutung der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (PM) mit unterschiedlichen Aufgaben. Aktuell sind 17.000 Personen als PM an den rund 3.000 niedersächsischen Schulen beschäftigt. Sie ergänzen die Arbeit der Lehrkräfte durch unterrichtsbegleitende Tätigkeiten und außerunterrichtliche Angebote, in therapeutischer Funktion und durch Schulsozialarbeit.

Der Kultusminister: „Die Stunden des nichtlehrenden pädagogischen Personals erreichen in diesem Schuljahr 16 Prozent der Lehrkräftestunden. Es gilt, auch in Zukunft Schule mit Vielfalt und unterschiedlichen Kompetenzen zu gestalten.“

  • Statistische Unterrichtsversorgung soll auf 98,5 Prozent steigen

Die Erhebung zur Unterrichtsversorgung erfolgt im Schuljahr 2022/2023 zum Stichtag 08.09.2022. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat angekündigt, diesen mathematisch-statistischen Abgleich der Lehrkräfte-Soll mit den Lehrkräfte-Ist-Stunden im Vergleich zum letzten Schuljahr (SJ 2021/2022: 97,4 Prozent) auf 98,5 Prozent verbessern zu wollen.

Der Kultusminister erläutert:

„Niemals zuvor war es so schwierig, das zu prognostizieren, weil wir in diesem Jahr ganz besonders viele Variablen haben. Vor allem wissen wir nicht, wie viele ukrainische Kinder tatsächlich an den Schulen sein werden. Auch, ob die Anmeldezahlen an den Grundschulen tatsächlich eintreffen, ist mehr als ungewiss.

Gewiss ist aber: Wir stellen die nächsten Wochen weiter mit Hochdruck ein. Grundständig ausgebildete Lehrkräfte, Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Wir werden Vertretungsverträge beschleunigt abschließen.

Ich gehe fest davon aus und halte es für realistisch einlösbar, nicht nur die tatsächliche Schulversorgung, sondern auch die rechnerische, statistische Unterrichtsversorgung zu verbessern. Wir können und wir werden den Turnaround schaffen und die Marke von 98,5 Prozent wieder überspringen. Wenn wir unter den jetzigen Bedingungen von 32.000 zusätzlichen Schülerinnen und Schülern diese Trendwende schaffen, ist das ein bemerkenswert positives Ergebnis. Ohne die Sondereffekte würden wir bei deutlich über 100 Prozent Unterrichtsversorgung liegen.“

  • Abordnungen weiter reduziert

Die schulformübergreifenden Abordnungen konnten auf rund 8.000 Stunden durch zirka 700 Lehrkräfte („Köpfe“) zurückgefahren werden. Das sind erneut rund 3.000 Abordnungsstunden bzw. 450 „Köpfe“ weniger als im Vorjahr.

Kultusminister Tonne: „Damit haben wir auch ein zentrales Ziel, in dieser Wahlperiode die Abordnungen wirksam einzudämmen, sukzessive erreicht. Das belegen auch die Abordnungen von Gymnasien an andere Schulformen, die beinahe keine Rolle mehr spielen. Ich erinnere daran, dass wir 2018 mit 24.500 schulformübergreifenden Abordnungsstunden durch rund 3.000 Lehrkräfte gestartet sind.

Pressemeldung von  Niedersächsisches Kultusministerium