Kinder machen sehr früh Erfahrungen mit Geld. Bereits in der Grundschule beobachten sie alltägliche Kaufentscheidungen, mit dem ersten Taschengeld treffen sie eigene. Wie Schüler diese Entscheidungen erlernen, hat große Bedeutung für die späteren Muster von Sparen, Konsumieren und Vorsorgen. Viele heutige Jugendlichen fühlen sich beim Thema Geld jedoch unsicher und wünschen sich mehr praktische Vermittlung. Ganztagsschulen bieten durch ihren zeitlichen Rahmen günstige Gelegenheiten, ökonomische Grundkompetenzen praxisnah zu vermitteln.
Taschengeld als erste Lernstation
Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) veröffentlicht jährlich Orientierungswerte für das Taschengeld. Für Kinder im Alter von 6 bis 7 Jahren werden demnach wöchentliche Beträge zwischen 1 und 2 Euro empfohlen, für 10-jährige etwa 16 bis 18 Euro monatlich, für 14-jährige etwa 25 bis 30 Euro. Ab 16 Jahren liegen die Empfehlungen bei ca. 45 bis 60 Euro pro Monat. Dabei sind weniger die exakten Beträge wichtig, als zwei Punkte: die Auszahlung erfolgt regelmäßig und in gleicher Höhe, und wird nicht als Belohnung oder Strafe eingesetzt. Nur so öffnet sich ein Lernraum, in dem Kinder eigene Prioritäten setzen, falsche Entscheidungen erfahren und aus ihnen ableiten können.
Ab etwa 12 Jahren ist der sogenannte Budgetvertrag ein häufig zusätzliches Instrument. Ab dann übernehmen Jugendliche selbständig bestimmte Ausgaben, etwa für Kleidung, Freizeit oder Schulbedarf. Die Höhe orientiert sich an den bisherigen Familienausgaben und wird schriftlich festgehalten.
Das erste Girokonto und Bezahlen mit Karte
Ein Schülerkonto ist bei den meisten Banken ab 7 Jahren möglich, mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Es wird bis 18 (manche auch bis 25) kostenlos geführt, als Guthabenkonto, mit einem Dispositionskredit ist nicht zu rechnen. Mit der ausgegebenen Girocard ist bargeldloses Zahlen und Abheben möglich, nicht jedoch eine Verschuldung.
Mit dem Aufkommen digitaler Zahlungsmittel steigt der Bedarf, den Überblick zu behalten. Kontostand prüfen, Umsätze kategorisieren und Daueraufträge verstehen sind konkretes Können, das sich z. B. im Unterricht oder in Ganztags-AGs einüben lässt. Bei weitergehenden Fragen zu Sparformen, Altersvorsorge oder Absicherung greifen Familien häufig auf Sachverstand zurück. Über regionale Verzeichnisse ist es leicht, einen Finanzberater in der Nähe zu finden, der unabhängig oder gebunden arbeitet.
Ausbildung, erster Verdienst, Steuern
Mit Beginn einer Ausbildung ändern sich die finanziellen Rahmenbedingungen grundlegend. Die Mindestausbildungsvergütung betrug 2025 im ersten Lehrjahr 682 Euro brutto und stieg in den Folgejahren gestaffelt an. Wer mit seinem Bruttoeinkommen über der Geringfügigkeitsgrenze liegt, muss auch Sozialabgaben leisten, also Beiträge zur Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Steuerlich interessant wird der Grundfreibetrag, der 2025 bei 12.096 Euro liegt. Einkommen unterhalb dieses Wertes bleibt steuerfrei.
Eine freiwillige Steuererklärung kann sich hier lohnen, weil die einbehaltene Lohnsteuer zurückgezahlt wird. Abzusetzen sind die Werbungskostenpauschale (1.230 Euro), die Fahrten zum Ausbildungsbetrieb und Ausgaben für Lernmittel. Diese Zahlen unterliegen einer ständigen gesetzlich bedingten Veränderung, sodass ein Blick auf die aktuellen Zahlen des Bundesministeriums der Finanzen durchaus empfehlenswert ist.
Finanzbildung an Ganztagsschulen
Mehrere Bundesländer haben mittlerweile ökonomische Bildung in ihre Bildungsrahmenlehrpläne aufgenommen – teils als eigenes Fach, teils integriert in Politik, Wirtschaft oder Mathematik. In der Ganztagsbetreuung werden diese Angebote durch Projekttage, Wahlpflichtangebote oder Kooperationen mit außerschulischen Partnern ergänzt.
Wirksam werden solche Angebote allerdings insbesondere dann, wenn sie konkret an der realen Lebenswelt der Schüler andocken. Beispielsweise sind ein Rollenspiel zur Kontoeröffnung, die Kalkulation der ersten eigenen Wohnung oder der Vergleich von Handyverträgen gute Anlässe, um Fachbegriffe wie den Effektivzins, Nettoentgelt oder Freibetrag zu verankern. Wichtige Themen für ältere Jahrgänge sind der Verbraucherschutz, Datenschutz bei Zahlungsdiensten und der Unterschied zwischen unabhängiger Beratung und provisionsbasiertem Vertrieb.
Eltern, Lehrkräfte und Schulen sind deshalb angehalten, diese Bausteine schrittweise zu entwickeln, damit die Jugendlichen mit der Schulentlassung nicht nur über ein Konto verfügen, sondern auch wissen, wie sie es nutzen können.









