Ganztagsschulen in Niedersachen

Ganztagsschule
Die Idee der Ganztagsschulen ist nicht ganz neu in Deutschland. Bereits in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sahen Sozialwissenschaftler und Pädagogen die Ganztagsschule als Schulform der Zukunft. In Ländern wie England oder Frankreich hat diese Schulform längst Einzug gehalten und wird erfolgreich angewandt.

Und auch in Deutschland war die Ganztagsschule die vorherrschende Schulform bis Ende des 19. Jahrhunderts. Erst danach wurde zum halbtägigen Unterricht übergegangen. Neben dem Wandel zur vorrangig in der Halbtagesform betriebenen Schule gab es parallel eine weitere Entwicklung, die sich weg von der traditionellen „Drill“-Schule hin zu einer ganzheitlichen Schulbildung in ländlicher Umgebung orientierte. Dabei hatte die Schule zum Ziel, nicht nur Lern- sondern auch Lebensort für die Kinder zu sein. Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges konnten sich diese reformpädagogischen Schulformen aber nicht weiter etablieren, sondern erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Obwohl die Alliierten im Rahmen des zügigen Wiederaufbaus Deutschlands und einer schnellen schulischen „Umerziehung“ der Kinder daran interessiert waren, Ganztagsschulen einzuführen, verzögerte sich das Vorhaben bis in die späten achtziger Jahre.

Erst mit der Wiedervereinigung und der zunehmenden Arbeitstätigkeit der Frau ist die Einführung der Ganztagsschule unabdingbar geworden. Insbesondere die verheerenden Ergebnisse der ersten PISA-Studie aus dem Jahr 2000 regten die damalige Bundesregierung zur Investition im Bildungsbereich an. Mittlerweile nimmt auch in Deutschland die Zahl der Schüler, die eine Ganztagsschule besuchen, kontinuierlich zu.

Definition des Begriffs Ganztagsschule

Die Kultusministerkonferenz definiert den Begriff des Ganztagsschule wie folgt: Primär- und Sekundärschulen stellen ihren Schülern an mindestens drei Tagen in der Woche ein Programm bereit, das mindestens sieben Stunden umfasst. Dabei wird den Schülern an allen Tagen ein Mittagessen angeboten und „die Ganztagsangebote (werden) unter der Aufsicht und Verantwortung der Schulleitung organisiert und in enger Kooperation mit der Schulleitung durchgeführt [werden] (...)“ Außerdem sollten sie „in einem konzeptionellen Zusammenhang mit dem Unterricht stehen.“ (Quelle: https://www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/bildungswege-und-abschluesse/ganztagsschulen-in-deutschland.html).

Diese Definition bezieht sich auf die voll gebundene Ganztagsschule, bei der die Schüler zur Teilnahme am Angebot oder Unterricht verpflichtet sind.

Im Falle der teilgebundenen Ganztagsschule sind die Schüler an zwei Tagen zum ganztägigen Besuch verpflichtet, während die Angebote an den restlichen Tagen in ausschließlich außerunterrichtlicher Form erfolgen. An den jeweils verpflichtenden Tagen, sowohl beim voll- als auch teilgebundenen Modell, wechseln sich Unterricht und außerunterrichtliche Angebote ab.

Die offene Ganztagsschule hingegen führt ihren Unterricht halbtags durch und bietet am Nachmittag – je nach Wunsch der Eltern – ein zusätzliches Programm an, das auf freiwilliger Basis beruht. Ähnlich wie bei der gebundenen Ganztagsschule ist auch hier ein Mittagessen inkludiert. Darüber hinaus erfolgt in den meisten Fällen eine Hausaufgabenbetreuung sowie ein Freizeitprogramm oder andere Angebote, die dem Schüler eine kreative Freizeitgestaltung ermöglichen.

Ganztagsschulen in Niedersachsen

2014 trat in Niedersachsen der Ganztagsschulerlass in Kraft, mit dem der rechtliche Rahmen für eine spezifischere Schulentwicklung im Land geschaffen wurde. Damit können Schulen nun zwischen drei unterschiedlichen Organisationsformen wählen: dem offenen, teilgebundenen oder voll gebundenen Konzept. Dabei eröffnen sich den Schulen ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten zwischen schulischem Unterricht und außerschulischen Aktivitäten, die aber dennoch in enger Zusammenarbeit mit der Schule angeboten werden.

In Niedersachsen ist die Zahl der Ganztagsschulen stetig gewachsen. Es gibt 2.775 öffentliche Schulen, von denen mehr als 1.800 über ein Ganztagsangebot verfügen. Der Großteil der Ganztagsschulen sind Grundschulen und bieten die offene Form an. Aber auch Gymnasien, Oberschulen und Realschulen orientieren sich zunehmend an der Schulform der Ganztagsschule. Der Anteil der Ganztagsschulen hatte in Niedersachsen damit im Schuljahr 2018/2019 einen Anteil von 70 Prozent. (Quelle: https://www.mk.niedersachsen.de/download/134436/Anlage_2_Zahlen_Daten_Fakten.pdf)

Um das Angebot der Ganztagsschulen weiterhin kontinuierlich ausbauen zu können, investiert die niedersächsische Landesregierung rund 280 Millionen Euro, das ist doppelt so viel wie im Jahr 2012 (136 Millionen Euro).

Drei Viertel der Ganztagsschulen in Niedersachsen bieten die offene Organisationsform an, an der keine verpflichtende Teilnahme besteht, aber dennoch nimmt die Hälfte aller Schüler die freiwilligen Angebote am Nachmittag wahr. 20 Prozent der Schulen arbeiten in der teilgebundenen Form, bei der die Schüler an zwei Tagen in der Woche verpflichtend teilnehmen müssen, lediglich 3 Prozent sind voll gebundene Ganztagsschulen.

Ziele der Ganztagsschule

Der Ausbau von Schulen in einer ganztägigen Organisationsform ist nicht nur Ziel der Landes- und Bundesregierung, sondern auch vielfacher Wunsch der Eltern. Im Rahmen der JAKO-O Bildungsstudie aus dem Jahr 2014 sprechen sich 70 Prozent der Eltern für eine Ganztagsschule aus. Die Gründe liegen nahe: Ehefrauen und Mütter sind zunehmend berufstätig, das Gehalt des Ehemannes reicht in vielen Fällen nicht mehr aus oder die Frauen entscheiden sich – legitimerweise – ganz bewusst für eine Berufstätigkeit. Dass sich Kind und Karriere nicht zwingend ausschließen müssen, zeigt die berufliche Laufbahn vieler erfolgreicher Frauen. Eine Ganztagsbetreuung ist vor allem auch für alleinerziehende Eltern, Mütter wie Väter, ein wichtiger Schlüsselfaktor, um einer geregelten Berufstätigkeit nachzugehen und nicht sozial abzurutschen. Statistisch gesehen sind alleinerziehende Mütter eher armutsgefährdet als Menschen in anderen Familienstrukturen, denn sie haben es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer. 2017 waren 27 Prozent von ihnen arbeitslos, obwohl 55 Prozent dieser Frauen durchaus an der Aufnahme einer Tätigkeit interessiert waren. (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/armut-in-deutschland-alleinerziehende-sind-besonders-haeufig-arm/22873316.html)

Ein Ausbau der Ganztagsschule liegt daher nicht nur im Interesse der Eltern, sondern auch der Politik.

Durch den Ausbau der Ganztagsschulen sollen gerade auch Kindern aus sozial schwächeren Schichten die gleichen Bildungschancen ermöglicht werden. Die vielfach beschriebene Bildungsbenachteiligung jener Kinder würde im Falle einer flächendeckenden Betreuung durch eine Ganztagsschule mit unterschiedlichen unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Angeboten unter Umständen abgebaut werden können.

Dazu gehören nicht nur unterrichtliche Fördermöglichkeiten, sondern auch Sport- und Bewegungsangebote. Diese werden ergänzend zum regulären Sportunterricht angeboten und können dementsprechend ganz anders gestaltet werden. Ziel ist damit eine größere Bildungsgerechtigkeit zwischen Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft.

Eine Ausweitung des Schulangebots auch auf den Nachmittag kreiert weitere Stellen für Lehrer, die im Ganztagsbereich eingesetzt werden könne. Auf diese Weise bleibt den Lehrern für den einzelnen Schüler mehr Zeit, um ihn individueller zu fördern. Darüber hinaus ist mit der zusätzlichen Einstellung von Lehrern eine qualifiziertere Betreuung während der Erledigung der Hausaufgaben oder anderen Angeboten möglich.

Das Mittagessen hat zudem zum Ziel, ein Bewusstsein für gesundes Essen unter den Schülern zu schaffen. Dazu gehört eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost.

Unterscheidung zu regulären Schulformen

Nachteile

Insbesondere bei der gebundenen Form der Ganztagsschulen wird der abnehmende Einfluss der Eltern auf die Kinder als ein Nachteil genannt. Durch die langen Betreuungszeiten übernimmt die Institution Schule mehr erzieherische Leistung als die Familie bzw. Eltern selbst. Dies kann als Eingriff in den Erziehungsauftrag, der eigentlich den Eltern obliegt, gewertet werden. Besteht für die Eltern keine Möglichkeit der Schulwahl auf Grund des Einzugsgebiets und ist daher ein Besuch einer gebundenen Ganztagsschule die einzige Möglichkeit, ist dies in der Tat ein Argument. In vielen Fällen möchten die Eltern nämlich die Haupterziehungsleistung nach wie vor noch selbst erbringen.

Statistisch gesehen verbringen Eltern nur noch 28 Minuten pro Tag mit ihren Kindern. Doch Schule kann nicht das leisten, was ein Familienleben zu leisten vermag, denn die Ausgewogenheit zwischen Schule, Familie und Freizeit. Allerdings sind die wenigsten Schulen in Niedersachsen in der gebundenen Form tätig, das Gros hat sich für die offene oder teilgebundene Form entschieden.

Die gebundene Form der Ganztagsschule presst die Kinder in ein Korsett, das zwar neben Lernzeiten und Förderstunden auch Entspannungsphasen beinhaltet, jedoch wird den Eltern und Kinder die Selbstbestimmtheit über ihre Freizeit weitgehend genommen. Die Rhythmisierung als tragendes Element einer Ganztagsschule meint die Verteilung des Unterrichts auf Vor- und Nachmittag und einem ggfs. späteren Unterrichtsbeginn am Morgen.

Was sich in der Theorie gut anhört, ist in der Praxis nur schwer umzusetzen, da rein rechnerisch die Zeit für Mittagessen, das Erledigen der Hausaufgaben sowie Freizeitaktivitäten mindestens drei Stunden benötigt. Eine individuelle Förderung ist in diesen Zeiten nicht inbegriffen. An welcher Stelle wird die dafür benötigte Zeit dann weggenommen, wenn nicht an der reinen Unterrichtszeit? Demzufolge hätten Kinder an der gebundenen Ganztagsschule nüchtern betrachtet nicht nur weniger Unterricht als an einer regulären Halbtagsschule, sondern auch weniger Freizeit.

Für Kinder, die sich nicht gut in das Klassengefüge integrieren, weil sie nur gehänselt werden oder schwer Anschluss finden, ist eine gebundene Ganztagsschule mit Unterricht bis am späten Nachmittag ein nicht zumutbarer Umstand. Sie benötigen als Ausgleich zur stressigen Schule, die eine soziale Herausforderung für diese Kinder darstellt, ihre familiäre Umgebung oder das Treffen mit Freunden außerhalb der Schule.

Kritiker bringen unter anderem an, dass Kindern durch den Besuch einer Ganztagsschule Freizeit verloren geht, die üblicherweise außerhalb der Schule verbracht wird. Hobbys nachzugehen wird ihnen unmöglich gemacht oder deutlich erschwert. Muss nach der Schule zudem noch auf Klassenarbeiten gelernt werden, nimmt die Zeit, die für die Schule ingesamt aufgewendet wird, meist den ganzen Tag ein. Ähnlich wie bei beim Nachgehen von Hobbys, bleibt für das Verabreden mit Freunden außerhalb der Schule nur noch wenig Zeit. Dazu zählt auch das Jobben neben der Schule im höheren Alter oder das bloße Nichtstun. Der Drill, schon in jungen Jahren „abliefern“ zu müssen, scheint beim Besuch einer Ganztagsschule eher gegeben zu sein. Denn gerade die außerschulischen Aktivitäten, seien es nun Hobbys, Freunden oder das Jobben nebenher, lehren den Kindern Kompetenzen für das Leben nach der Schule, für Ausbildung oder Studium.

Schulen, die ihr Angebote auf das einer Ganztagsschule umstellen, benötigen immense finanzielle Mittel, um diesen Umbau zu bestreiten. Dies gilt nicht nur für die nachträgliche Installation einer Kantine, sondern auch für die Einstellung eventueller weiterer Lehrkräfte, die den zusätzlichen Bedarf am Nachmittag abdecken müssen. Bleibt die Größe des Lehrkörpers gleich, so sind diese durch den vermehrten Unterricht in ihrer Vorbereitungszeit stark eingeschränkt.

Vorteile

Für Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind oder für alleinerziehende Elternteile ist die Gewissheit wichtig, dass die Kinder auch trotz ihrer Abwesenheit gut versorgt sind. Dazu zählt unter anderem auch ein gesundes Mittagessen. Die Qualität des Mittagessens ist maßgeblicher Beleg für die Qualität der Ganztagsschule. Sich nicht nur über die Programme oder Angebote am Nachmittag, sondern auch über die Vielfalt und Herkunft des Mittagessens zu informieren, sollte deshalb nicht vernachlässigt werden.

Neben dem Mittagessen steht aber natürlich auch die Ganztagsschule mit ihrem Programm am Nachmittag und ihren Angeboten im Fokus. Von den Nachmittagsangeboten profitieren insbesondere auch Schüler, die Lernschwierigkeiten aufweisen und denen zu Hause möglicherweise nicht im notwendigen Maß geholfen werden kann. Ähnliches gilt für besonders talentierte Kinder. Ausgebildete Pädagogen können diesen unterschiedlichen Bedürfnissen eher nachkommen und besser auf die Kinder eingehen. Die Unterstützung bei der Erledigung der ihnen gestellten Aufgaben ist direkter. Durch den verlängerten Schultag lässt der Druck, die zu vermittelnden Inhalte in nur wenige Stunden „pressen“ zu müssen, deutlich nach, denn Ganztagsschulen steht damit mehr Zeit für die pädagogische Gestaltung und andere Lernkonzepte zur Verfügung.

Eine Studie legt außerdem nahe, dass Schüler, die eine Ganztagsschule besuchen, über eine bessere Selbstorganisation verfügen. Überdies verbesserten sich mittel- bis langfristig auch ihre Noten. So reflektieren die besseren Schulnoten nicht nur die Leistung an sich, sondern auch Motivation, Willensstärke und Selbstwertgefühl.

Die Ganztagsschule wirkt sich aber nicht nur positiv auf die Selbstorganisation aus, sondern auch auf die Klassengemeinschaft. Dies spiegelt sich wiederum in einem besseren Sozialverhalten der Schüler wider. Die Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrern ist in den Nachmittagsstunden meist freier, persönlicher und zwangloser. Das Verhältnis sowohl zwischen Lehrern und Schülern wird dadurch gestärkt, Sozialkompetenz und Zusammenhalt ebenfalls positiv beeinflusst.

Den Schulen wird durch die Einführung des Ganztagskonzepts zudem eine größere Flexibilität hinsichtlich der Stundenplangestaltung eingeräumt. Sie sind nicht mehr zwingend an Schulstunden im 45-Minuten-Takt gebunden, sondern können die Lerneinheiten gegebenenfalls an die Bedürfnisse der Schüler anpassen und mehr künstlerische oder sportliche Angebote einbinden. Der Bildungsauftrag ist nicht nur auf den Vormittag begrenzt, sondern wird auch am Nachmittag – meist weniger zwanglos – fortgeführt.

Die Ganztagsschule erlaubt zudem die Einführung anderer Lernformen, der oft erwähnte Frontalunterricht wird damit obsolet. Den Lehrern wird größerer Freiraum und individuellere Betreuung im Umgang mit ihren Schülern ermöglicht, der Druck und Schulstress innerhalb der Klasse abgebaut. Sie können Lerndefiziten der Schüler schneller und leichter entgegenwirken und deren individuelle Entwicklung besser begleiten. Damit wird gerade auch Kindern aus sozial schwachen Familien oder Kindern mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zur Teilnahme an Angeboten ermöglicht, zu denen sie normalerweise keinen Zugang hätten. Das Miteinander zwischen Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft und Bildung stärkt Empathie und Verantwortung für die Gesellschaft.

Erfahrungen mit der Ganztagsschule

Eine gebundene Ganztagsschule ist sicherlich nicht für jedes Kind die beste Lösung. Die Wahl der Ganztagsform sollte daher nach Möglichkeit vom Kind und der eigenen Situation – berufstätig ja oder nein – abhängig gemacht werden. Einer Studie zufolge wünschen sich knapp 90 Prozent der Eltern ein „flächendeckendes, aber freiwilliges Nachmittagsangebot“, nur etwas mehr als ein Drittel spricht sich für die gebundene Form aus. Da an der gebundenen Ganztagsschule Anwesenheitspflicht für alle Schüler besteht, wird diese Form vom Großteil der Pädagogen abgelehnt. In Onlineforen sind die Meinungen von Eltern ganz unterschiedlich; im Falle eines Schülers, der sich in der Schule wohlfühlt, sich leicht integriert und leicht lernt, spricht sich die Mutter für die gebundenen Ganztagsschule aus und findet sie vorteilhaft, da nach der Schule keine Hausaufgaben mehr anstünden.

Eine andere Mutter führt an, dass Kinder, die in der Schule eher leistungsschwach sind, sich durch den Besuch einer gebundenen Ganztagsschule überfordert fühlen könnten und schon in jungen Jahren nicht gern in die Schule gehen.

Die meisten Eltern in diversen Online-Foren entscheiden sich für den Besuch einer offenen Ganztagsschule, bei der der klassische halbe Schultag beibehalten wird und der Nachmittag für das Mittagessen in der Schule, zum Erledigen der Hausaufgaben mit Betreuung sowie Freizeitangeboten zur Verfügung steht.

Fazit zu Ganztagsschulen

In nahezu allen Nachbarländern Deutschlands ist die Ganztagsschule bereits seit vielen Jahren gängige Praxis. Das Halbtagssystem ist ein Sonderweg, der auf der Ideologie fußt, derzufolge Erziehung keine öffentliche Aufgabe ist. Die Negativbesetzung, die der Ganztagsschule oft anhaftet, ist so in anderen Ländern nicht existent. Die Schule wird dort als pädagogische Instanz neben der Familie betrachtet und ist positiv konnotiert.

In Deutschland hingegen besteht aus historischen Gründen noch immer die Angst vor Indoktrination und Instrumentalisierung der Kinder durch die Schulen. Deren Einfluss soll daher möglichst auf ein Minimum reduziert werden.

Doch in Anbetracht der demographischen Veränderung, der Notwendigkeit von zwei Gehältern und dem vermehrten Auflösen der klassischen Rollenverteilung ist die Einführung der Ganztagsschulen nicht nur optional, sondern unabdingbar. Zwar wurde mittlerweile festgestellt, dass der Besuch einer Ganztagsschule nicht immer eine positive Auswirkung auf die Leistung der Schüler hat, allerdings ist dies signifikant abhängig von der Qualität der Schule. Eine Schule, die Lehrinhalte des Vormittags mit den Angeboten oder Inhalten des Nachmittags miteinander verbindet, erfährt insgesamt eine qualitative Aufwertung.

Schulen hingegen, bei denen die Kinder am Nachmittag mehr oder minder nur „beaufsichtigt“ werden, erfahren in der Regel keine qualitative Aufwertung; ein schulischer oder pädagogischer Mehrwert ist nur schwer erkennbar. Im schlechtesten Fall wird die Betreuung von Hilfskräften, Studenten oder sogar Eltern durchgeführt.

Um jene außerunterrichtlichen Angebote umsetzen zu können, sind Kooperationen mit externen Dienstleistern oder Partnern gefragt. Die Wahl dieser Partner ist gleichzeitig auch ein Indikator für die Qualität der Ganztagsschule. Dabei sollte den Schülern neben dem Wechsel zwischen Angeboten und konkreten Zeiten, die sie zur selbständigen Arbeit haben, auch die Möglichkeit der Entspannung gegeben werden.

Gleichzeitig ist es inadäquat, die gebundene Ganztagsschule als die einzig optimale Schulform zu preisen, mit der es möglich sei, die Herausforderungen und Probleme im Bildungssektor zu bewältigen. Eine gebundene Ganztagsschule, bei der die Schüler zur Teilnahme verpflichtet sind, mag nicht immer dem eigentlich Bedarf unter Eltern und Schülern entsprechen. Der gesunde Mittelweg, der allen Beteiligten entgegenkommt und die Förderung und Forderung der Schüler im Blick hat, sie dabei aber nicht in ein Korsett zwängt, legt den Ausbau der teilgebundenen oder offenen Ganztagsschule mit qualifizierten Kooperationspartnern nahe – sowohl in Niedersachsen als auch in den restlichen Bundesländern.